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Von Rania Elsayed

Photo: www.RaniaElsayed.com
Hier und im Titel:
RAWWAH
(Rashdan x Ramiah)
Zwei Tage vor dem heiligen Fastenmonat Ramadan besuchten Dr. Nasr Marei und ich das ägyptische Staatsgestüt El Zahraa. Unsere Mission: Speziell die jungen Pferde zu fotografieren, die im zukünftigen Zuchtprogramm der EAO eine tragende Rolle spielen werden.
Es ist wahr, die Pferde in El Zahraa entsprechen in keiner Weise dem sogenannten „Show-Typ“. Sie mit den Show-Pferden von heute zu vergleichen, täte ihnen Unrecht. Sie sind mit einem anderen Maßstab zu messen und Dr. Nasr und ich waren mehr als angetan von der Qualität, die wir zu sehen bekamen. Dazu kam noch, dass wir – aus Fotografensicht – mit Pferden arbeiten konnten, deren Schönheit ganz natürlich und nicht künstlich herbeigeführt war.
Zuerst kamen die Hengste an die Reihe: Rawwah, Baydoun, Daffaf, Tagweed, Monadel und Wassaf. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir suchten nicht nach dem extremen Gesicht, an dem heute oft die Schönheit eines Arabers festgemacht wird, denn wir wussten, dass wir es hier nicht finden würden. Wir konzentrierten uns auf den Körperbau der Hengste und den arabischen Typ – und wie wir ihn am besten in unseren Fotos einfangen konnten.
Man sollte allerdings nicht den Fehler begehen und ihre Stallgefährtinnen unterschätzen: Fakhera, Ezmeralda, Bawady und Bayada zeigten sich ebenfalls beeindruckend vor den Kameras. Trotz der hohen Luftfeuchtigkeit und dem heißen Wetter schienen sie ihren „Auftritt“ zu genießen. Der Paddock war groß genug, damit sie zeigen konnten, aus welchem Holz sie geschnitzt sind…
Was man als Fotograf oder Züchte nie vergessen sollte, ist die Tatsache, dass man die Bewegungen eines Pferdes nie ausschließlich im Schauring bewerten sollte. Besuchen Sie das Pferd lieber auf seinem Heimatgestüt und Sie werden überrascht sein, wie anders es sich dort oft zeigt und was der Schauring nicht verrät.
Das Sahnehäubchen war eine Jungstute – die erste von Tagweeds Nachkommen aus der Stute Ezmeralda. Ihr Name ist Zomorrod (er bedeutet „Smaragd“) und ihre Schönheit funkelte in der Tat wie die eines Edelsteins. Sie wurde erst kürzlich abgesetzt und noch nie trainiert. Unsere Zeigefinger wollten sich gar nicht mehr vom Auslöser trennen und wir versuchten ihre Schönheit aus allen möglichen Winkeln einzufangen, im Schatten und im Sonnenlicht. Wir rannten vor und zurück, uns lief der Schweiß in Strömen über Gesicht und Körper, aber es war uns egal. Hinterher sahen wir uns die Fotos sofort an (es lebe die digitale Fotografie!), um zu überprüfen, ob wir ihr mit unseren Aufnahmen auch gerecht geworden waren. Dieser Tag war nicht nur aus Fotografensicht erfolgreich. Wir konnten uns davon überzeugen, dass die Zukunft der EAO auf einer gesunden Basis steht und gesichert zu sein scheint. „El Zahraa ist keineswegs rettungslos verloren, wie manche Leute behaupten“, meinte Dr. Nasr auf der Rückfahrt. „Es ist zweifellos richtig, dass wir in den letzten zwanzig Jahren einen allmählichen Abstieg in der Qualität der Pferde von El Zahraa gesehen haben. Das lag vor allem daran, dass es kein intelligentes Zuchtprogramm gab, das die Kraft gehabt hätte legendäre Hengste wie Nazeer, Anter, El Sareei, Morafic, Ibn Halima oder Stuten wie Moniet El Nefous, Safinaz oder Kamla zu ,reproduzieren’. Das sind die Namen, die El Zahraa einst berühmt gemacht haben. Als sie oder ihre Nachkommen in den fünfziger und sechziger Jahren exportiert wurden, war das die richtige Entscheidung. Heute sagen einige, dass es ein Fehler war. Ich sage, dass es wichtig ist die besten Pferde zu exportieren, um international eine Reputation aufzubauen. Man hat ja die Eltern dieser Pferde oder Verwandte. In anderen Worten: El Zahraa hätte durchaus einen zweiten Nazeer, Morafic oder Ibn Halima hervorbringen können. Die ,Fabrik’ dazu war ja noch vorhanden und er Genpool ebenfalls. Jeder gute Züchter hätte daraus etwas machen können.“
Was kann getan werden, um El Zahraa wieder zu dem alten Glanz zu verhelfen? „Es ist noch nichts verloren, aber es kein leichter Weg“, sagt Dr. Nasr nach einer kleinen Pause. „Die EAO ist eine Behörde und da dauert bekanntermaßen alles etwas länger. Schauen Sie sich die Entwicklungen in Marbach, Bábolna und Tersk an. Es sind/waren Staatsgestüte wie El Zahraa. Auf der anderen Seite sehen wir die Erfolgsgeschichten von Michalow und Janow Podlaski – das ,polnische Phänomen’. Es ist also möglich. Wenn man in El Zahraa das Ruder herumreißen will, muss die Anlage verändert werden, das Personal besser geschult, mehr Geld zur Verfügung gestellt, Hengste von außerhalb eingesetzt und der Einsatz von Gefriersperma erlaubt werden. Die Zahl der Pferde sollte verkleinert werden und nur die Besten für die Zucht Verwendung finden. Außerdem muss die tierärztliche Versorgung unbedingt besser werden. Man sollte sich zu den Fehlern der Vergangenheit bekennen und sie mutig angehen. Doch das ist die kleinere Übung. Die wahre Herausforderung dürfte darin bestehen einen Züchter zu finden, der über genügend Wissen verfügt, die Rasse tatsächlich zu verbessern, die Pedigrees zu lesen versteht, der in der Lage ist die Pferde zu selektieren und zu bewerten, der den Genpool kennt und sich zum Wohle El Zahraas daraus bedient, um immer bessere Pferde zu züchten. Das ist der schwierige Teil!“
Dann kamen wir noch auf die Pläne zu sprechen, El Zahraa an einen neuen Standort zu verlegen. „Zur Zeit arbeitet man bei den zuständigen Behörden an einem sehr ambitionierten Großprojekt, in das El Zahraa integriert werden soll“, erklärt Dr. Nasr. „Außerhalb Kairos wird auf einer Fläche von über 8000 Quadratmetern ein Pferdeparadies entstehen, zu dem u.a. eine Rennstrecke, Reithallen, Country-Clubs, ein Polo-Club, eine Pferdeklinik und Mietställe gehören werden. El Zahraa soll das Herz des ganzen werden. Erstklassige Hotels und ein Pferdemuseum sind ebenfalls vorgesehen. Wenn das Projekt tatsächlich verwirklicht werden sollte (es ist immerhin schon auf dem Reißbrett entworfen) wird El Zahraa den Schritt ins 21. Jahrhundert vollziehen. Es bleibt zu hoffen, dass mit der Veränderung des Standortes auch eine Veränderung im Hinblick auf die Zuchtplanung vonstatten geht. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Veränderungen, sonst könnte El Zahraa das gleiche Schicksal ereilen wie die Staatsgestüte in Deutschland, Ungarn und Russland.“ Für weitere Fotos von El Zahraa besuchen Sie www.RaniaElsayed.com |
This feature was brought to you in October 2008 by:
www.straightEgyptians.com
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